Letzte Chance genutzt

Dennis Aretz hat das Soziologiestudium an den Nagel gehängt und ist in die duale Berufsausbildung gewechselt. Ein Rückschritt? Keineswegs. Er hat die Vorteile der dualen Ausbildung erkannt und weiß diese für sich zu nutzen.

Herr Aretz vor dem Gebäude der Firma ComNet

Stolzer Azubi: Studienabbrecher Dennis Aretz macht eine Ausbildung als IT-Systemkaufmann bei dem Unternehmen ComNet.

JOBSTARTER / Fotografin: Virginia Gerard

Dennis Aretz ist angekommen. Er trägt das schwarze Firmenhemd, auf dessen Brusttasche das Firmenlogo prangt, mit Stolz. „Ich habe schon nach kurzer Zeit gefragt, ob ich ein paar Hemden bekommen kann“, erklärt er und fügt lachend hinzu: „Ich lebe ComNet.“ Seit zehn Monaten absolviert Dennis Aretz seine Ausbildung als IT-Systemkaufmann in dem inhabergeführten Unternehmen in Würselen bei Aachen. Dennis Aretz hat sein Studium abgebrochen und eine duale Berufsausbildung aufgenommen. Reue verspürt er deshalb nicht.

Dennis Aretz vor dem Firmenwagen

Will auch in Zukunft mit dem Firmenwagen zu Kundenterminen fahren: Azubi Dennis Aretz bleibt bei seinem Ausbildungsbetrieb.

JOBSTARTER / Fotografin: Virginia Gerard

Kölner Geißbock, fröhliche Familienfotos, Blick auf Maisfelder: Dennis Aretz genießt es, in seinem hellen Büro zu arbeiten. Die Aula im Studium hat er gerne gegen seinen großen Schreibtisch getauscht. „Ich wollte irgendetwas mit Medien machen“, erzählt der ehemalige Student der Soziologie, Geschichte und Politik. Doch bereits nach einem Semester wurde der Forschungszweig „Mediensoziologie“ geschlossen. Als dann aufgrund der Bologna-Reform die Magisterstudiengänge ausliefen, entschied sich Dennis Aretz das Studium abzubrechen. Durch einen Studentenjob im Buchhandel begann er sich für den Vertrieb zu interessieren. Heute verkauft er Software- und Serverlösungen an Betriebe in der Region Aachen und darüber hinaus. Dennis Aretz ist so engagiert und zielstrebig in seinem neuen Job, dass er bereits eigenständig zu Kundenterminen fahren kann. Die Ausbildung war für ihn ein „Volltreffer“, wie er sagt.

„Ich will es zu meiner letzten Chance machen.“

Dennis Aretz am Telefon

Die Akquise am Telefon ist Dennis Aretz‘ Stärke.

JOBSTARTER / Fotografin: Virginia Gerard

Kunden akquirieren, Produkte präsentieren und Verkaufsgespräche führen – diese Tätigkeiten liegen dem kommunikativen Azubi besonders. Von seinen im Studium erworbenen Fähigkeiten ist sein Chef Holger Schmitz besonders begeistert: „Dennis bringt eine gute Ausdrucksweise, einen sehr guten Umgang mit Textverarbeitungssystemen und eine gute Art zu schreiben mit.“ Dabei zögerte der Geschäftsführer zunächst, Dennis Aretz zum Vorstellungsgespräch einzuladen: „Meine größte Sorge war, dass die Ausbildungsvergütung in dem Alter nicht reicht.“ Doch seine Bedenken erwiesen sich als unbegründet.

Denn für den 30-jährigen Dennis Aretz stehen die Vorteile einer Ausbildung im Vordergrund. Als er sich nach seinem Studienabbruch für die duale Berufsausbildung entscheidet, hat er bereits in verschiedenen Unternehmen gejobbt und erkannt: Ohne qualifizierenden Abschluss wird er weiterhin unqualifizierte oder unsichere Jobs ausüben, die ihm keine Perspektive auf Weiterbildung und Karriere bieten. Außerdem fühlte er sich unterfordert. Also nimmt Dennis Aretz sich den Wunsch seiner Mutter zu Herzen und macht „etwas Fundiertes“: Er beginnt die Ausbildung zum IT-Systemkaufmann. „Ich bin 30 Jahre alt. Das ist meine letzte Chance, um noch eine Ausbildung zu machen“, sagt er. „Und ich will diese Chance nutzen.“ Dafür sei er auch bereit, für den überschaubaren Zeitraum von zwei Jahren finanziell zurückzustecken.

Ausbilder Holger Schmitz

Holger Schmitz hat gute Erfahrungen mit Studienabbrechern in der Ausbildung gemacht.

JOBSTARTER / Fotografin: Virginia Gerard

Holger Schmitz, Geschäftsführer bei ComNet und Chef von Dennis Aretz bildet gerne Studienaussteiger aus. „Sie bringen Lebenserfahrungen mit, die jungen Schulabgängerinnen und Schulabgängern fehlen. Ein Techniker, der Kundenprojekte betreut, muss ein gewisses Auftreten haben. Er sollte ein gewisses Alter und eine gewisse Bildung haben“, erklärt er. Da Holger Schmitz von Dennis Aretz' Arbeit begeistert ist, steht einer Festanstellung nach der Ausbildung nichts im Wege. „Wir versuchen dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, indem wir selbst ausbilden“, erklärt Holger Schmitz. Und Dennis Aretz? Der will seinem Ausbildungsbetrieb auch nach Abschluss der Ausbildung treu bleiben.