Flagge wechseln: Vom Lehrer zum Seemann

Fünf Semester Studium auf Lehramt, dann der Abbruch: Während seines ehrenamtlichen Engagements beim Schifffahrtsmuseum in Regensburg entdeckt Christoph Seidel die Chance, sein Hobby zum Beruf zu machen. Heute ist er Auszubildender zum Binnenschiffer.

„Mir hat weder das Studium gefallen, noch die Zukunftsaussichten, noch die Leute, die ich da getroffen habe. Das war nicht meine Welt“, erläutert Christoph Seidel seine Motive zum Studienabbruch. Außerdem sucht er nach einer Möglichkeit, etwas „mit den Händen zu machen“ und sich intensiver mit Technik zu beschäftigen. Bei einem Besuch des Schifffahrtsmuseums in Regensburg besichtigt er die Freudenau. Als er die Maschinenanlage und die Dieselmotoren sieht, packt es ihn. „Da habe ich gesagt, boah, das will ich machen.“

Christoph Seidel engagiert sich zunächst ehrenamtlich im Schifffahrtsmuseum. Bald verbringt er dort mehr Zeit als in der Uni. Über das Museum erhält er außerdem Kontakt zum Tagesschifffahrtsbetrieb Klinger, in dem er fortan in den Semesterferien jobbt. Bald erfährt er von der Möglichkeit, eine Ausbildung zum Binnenschiffer zu machen. „Ich habe mich mit einem Azubi unterhalten und erfahren, dass es die Ausbildung gibt. Das wusste ich bis dahin überhaupt nicht“, erzählt der 25-Jährige. Dieses Gespräch ist der Schlüsselmoment. Christoph Seidel bewirbt sich bei der Klinger GmbH für die Ausbildung, bekommt eine Zusage und beendet sein Studium umgehend. Nun ist er über zwei Jahren als Auszubildender auf der Donau unterwegs. Im Frühjahr 2016 wird Christoph Seidel die Ausbildung abschließen. Seine Pläne für die Zukunft: Flagge wechseln und als ausgebildeter Binnenschiffer die Chance nutzen, mehr von Europa zu sehen. Die Aussichten, dass das klappt, sind sehr gut.

Autorin: Virginia Gerard
Oktober 2015