Abi gleich Uni?

Wenn man schon die Hochschulreife hat, warum nicht an die Uni gehen? So dachte Marco Berg nach dem Abitur. Heute macht er eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Das Studium des Bauingenieurwesens hat er dafür hinter sich gelassen.

Auszubildender Marco Berg schaut durch eine Farbpalette.

Ins Ausland gehen, eine Ausbildung beginnen, studieren oder gleich einen Job annehmen? Abiturienten haben die Qual der Wahl.

JOBSTARTER / Fotograf: Thilo Schoch

Für frisch gebackene Abiturienten stehen viele Türen in Richtung Berufsleben offen: ins Ausland gehen, eine Ausbildung beginnen, studieren oder gleich einen Job annehmen. Die allermeisten entscheiden sich für ein Studium. Denn wenn man schon die Hochschulreife hat, warum dann nicht an die Uni gehen? So ging es auch Marco Berg aus Wismar nach dem Schulabschluss. Für ihn war klar, er will an die Uni. Weil ihn Gebäudeplanung und verschiedene Baumaterialien schon immer interessiert haben, schrieb er sich für Bauingenieurwesen an der Hochschule Wismar ein. Nach den ersten Semestern geriet Marco dann ins Schleudern und verlor immer mehr den Spaß am Studium. Nach vier Semestern und einer endgültig nicht bestandenen Prüfung entschied er sich für den Abbruch. Keine leichte Zeit, wie er sich heute erinnert.

Mehr Praxisbezug

Auszubildender prüft Paletten. Er trägt einen Helm und einen schwarzen Mantel.

Marco Berg macht jetzt eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann.

JOBSTARTER / Fotograf: Thilo Schoch

Da er eigentlich einen Uni-Abschluss machen wollte, dachte Marco zunächst an den Wechsel in einen wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang: Wahrscheinlich würde das besser zu ihm passen. Aber noch einmal sechs Semester Studium zu finanzieren, erschien ihm dann doch als zu große Herausforderung. Dennoch fiel es ihm schwer, das Studium hinter sich zu lassen: „Zu diesem Zeitpunkt habe ich überhaupt keine anderen Studienabbrecher gekannt. Bald hat sich aber herausgestellt, dass auch einige Leute aus meinem Bekanntenkreis ihr Studium abgebrochen haben“, erzählt Marco heute.

In dieser Phase des Umbruchs hat er viel Musik gemacht. Beim Gitarre spielen konnte er abschalten und sich auf das besinnen, was er mag und ihn erfüllt. So kam er auf den Gedanken, dass mehr Praxisbezug und eine Tätigkeit, bei der er mit den eigenen Händen etwas bewegen kann, ihm besser liegen würden.

Marco entschied sich dafür, eine duale Ausbildung zu machen und suchte sich Berufe heraus, die viel mit einem wirtschaftlichen Studium gemeinsam haben, unter anderem eine Lehre zum Bankkaufmann. Zwar wurde er zu einigen Bewerbungsgesprächen eingeladen, ein Ausbildungsplatz ergab sich damals aber nicht gleich. „Also habe ich nach einer Alternative gesucht – und die Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann entdeckt.“

Hier verdient man sein eigenes Geld

Auszubildender steht vor einem Regal in einer großen Lagerhalle.

Marco schätzt den praktischen Schwerpunkt der Ausbildung.

JOBSTARTER / Fotograf: Thilo Schoch

Das Projekt „ASK for Change“ der Hochschule Wismar und eine Ausschreibung in der Jobbörse hatten Marco auf seinen heutigen Ausbildungsbetrieb aufmerksam gemacht. Die Jobbörse war für ihn ein wichtiger Anlaufpunkt bei der Suche nach einem Betrieb, denn anfangs wollte es mit einem Ausbildungsplatz nicht klappen. Einige Bewerbungen blieben unbeantwortet, manche Gespräche verliefen nicht wie erhofft. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, konzentrierte Marco sich vor dem Vorstellungsgespräch bei seinem jetzigen Ausbildungsbetrieb noch einmal auf die Punkte, an denen es bis dahin gehakt haben könnte.

„Ich habe mir vorgenommen, selbstbewusster aufzutreten und mich gezielt über das Unternehmen und die Anforderungen der Stelle zu informieren.“ Diese konstruktive Einstellung hat sich für den 24-Jährigen gelohnt: Seit 2015 ist er Auszubildender zum Groß- und Außenhandelskaufmann in Rostock. Vor allem den praktischen Schwerpunkt der Ausbildung schätzt Marco. Weil seine Abteilung relativ klein ist, muss jeder Mitarbeiter in allen Bereichen fit sein. Das macht die Arbeit vielseitig und verantwortungsvoll. Die Mischung aus Kundenkontakt und Verhandlungsführung macht für Marco den Reiz aus. Sein Fazit: „In der Ausbildung fühle ich mich wohler als im Studium. Ich kann viel mehr praktische Erfahrungen sammeln und der Berufsalltag ist einfach abwechslungsreicher.“ Aber auch ein ganz pragmatischer Aspekt spricht aus seiner Sicht für die Ausbildung – im Gegensatz zum Studium verdient man hier sein eigenes Geld.

Solide Wissensbasis durch Ausbildung

Auszubildender und Ausbilder in einer Besprechung.

Marco Berg kann Fachkenntnisse aus dem Studium in seine Ausbildung einbringen.

JOBSTARTER / Fotograf: Thilo Schoch

Dass Marco bereits studiert hat, erlebt er oft als Vorteil. Fachkenntnisse aus dem Bauingenieurstudium, zum Beispiel aus dem Hochbau, kann er nun im Umgang mit Produkten für den Fassadenbau einsetzen. Am meisten profitiert er aber davon, dass er gelernt hat, sich Wissen eigenständig anzueignen und Selbstdisziplin zu beweisen. „Das hilft mir natürlich heute.“ Die Chancen, dass Marco nach Abschluss der Ausbildung in seinem Betrieb übernommen wird, stehen sehr gut. Sein Ziel ist es, nach der Ausbildung parallel zum Job wieder zu studieren und doch noch einen Bachelor zu machen.

„Dann habe ich mir durch Ausbildung und Berufserfahrung eine solide Wissensbasis geschaffen.“ Er ist sicher, dass ihm der zweite Anlauf an der Uni dadurch viel leichter fallen wird. „Eine Ausbildung kann definitiv eine gute Alternative sein, wenn man mit seinem Studium nicht glücklich ist“, so Marcos Resümee. „Für mich war es zu dem Zeitpunkt auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Manchmal kommt man an einen Punkt im Leben, an dem es einfach nicht mehr weiter geht und man etwas Neues probieren muss.“ Auch, dass immer mehr Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben, spricht seiner Meinung nach dafür, dass man gute Einstiegsmöglichkeiten hat. Für viele liegt eine duale Ausbildung zuerst nicht so nahe wie ein Studium, aber Abiturienten und Studienzweifler sollten diese Chance nutzen. „Anfangs habe ich mir viele Gedanken gemacht, wie es mit mir weitergehen soll“, sagt er und blickt auf die Gitarre neben sich im Sand, „aber wenn man den Kopf frei hat und nach vorne blickt, klappt es auch mit der Ausbildung!“

Junger Mann spielt am Strand Gitarre.

Kopf frei und Blick nach vorne: Marco Berg ist mit seiner Entscheidung, das Studium abgebrochen zu haben, zufrieden.

JOBSTARTER / Fotograf: Thilo Schoch